MARC WÜBBENHORST

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Der Großvater von Marc Wübbenhorst zog einst von Moordorf in Ostfriesland nach Bielefeld-Sennestadt, um dort sein Bauunternehmen auszubauen. Marcs Vater ist Vorsitzender des Bielefelder Boßelvereins. Außerdem spricht Marc lupenreines ostfriesisches Platt und darf sich daher mit vollster Selbstverständlichkeit Ostfriese nennen, auch wenn er selbst dort weder geboren noch aufgewachsen ist. Wir sprechen über seine Erkrankung an Diabetes insipidus renalis, über seine umfangreichen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten und über Ostfriesland. Wir reden auch über unsere gemeinsame Muttersprache und tun dies ab der 52. Minute selbstverständlich auch in ebendieser: Plattdeutsch. Vööl Spaß bi 't Tolustern!

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Marc Wübbenhorst ist „Deutschlands durstigster Mann“. Das klingt erstmal harmlos, doch dahinter verbirgt sich eine sehr schwere Erkrankung, nämlich der Diabetes insipidus renalis. Das sichtbarste Symptom dieser Erkrankung ist, dass Marc bis zu 20 Liter am Tag trinken und entsprechend viel Wasser lassen muss. Durch diese Krankheit sind seine Schlafenszeiten, folglich der Kräftehaushalt und somit der gesamte Alltag schwer beeinträchtigt.

Man sollte meinen, dass jemand mit einer solchen Krankheit nur eingeschränkt arbeiten kann und deutlich mehr Zeit für Regeneration und Ruhe braucht. Doch nicht so Marc: Die Vielfalt seiner Tätigkeiten ist nahezu atemberaubend und nach eigener Angabe strukturiert er seinen Alltag nahezu "militärisch radikal und pragmatisch". Was ihn dazu bewegt, sich derart weit über seine Kraft hinaus zu engagieren, ist vor allem das Bewusstsein, dass er innerhalb seiner Möglichkeiten die Welt ein bisschen besser machen möchte. Das Tun um des Tuns willen und nicht wegen der Titel und Posten ist für ihn übrigens typisch ostfriesisch.

Marc arbeitet hauptberuflich in Bielefeld Sennestadt in einem Büro für soziale Architektur im Bereich Baukulturvermittlung und begleitet architekturpädagogische Projekte für Jugendliche. Durch diese Projekte können z.B. von der Herstellung eines Ziegels bis zu Flächenberechnung und Farbgestaltung von Räumen und Gebäuden Fähigkeiten sowie ein Gespür für Baukultur entwickelt werden.

 

Außerdem ist er dort ehrenamtlicher Ortsheimatpfleger, organisiert Projekte zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte, zu Pflege und Erhalt von Natur, Landschaft, Brauchtum und der niederdeutschen Sprache.

 

Darüberhinaus ist er Vorsitzender der Hans-Bernhard-Reichow-Gesellschaft, unterrichtet Plattdeutsch und Niederländisch an der Volkshochschule und arbeitet zeitweise auch noch projektbezogen in einer Schule in Detmold.

 

Besonders viel bewirken konnte er durch die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Diabetes insipidus renalis und hat damit nicht nur sich selbst, sondern auch anderen von dieser Krankheit betroffenen Menschen Wege zu besserem Verständnis und Umgang eröffnet.

 

Aber warum ist Marc nun zu Gast in diesem Podcast? Seine Eltern kommen aus Ostfriesland. Der Opa hat nach dem Krieg ein Bauunternehmen gegründet und hat dies später nach Bielefeld verlagert.

 

Dadurch, dass Marc in einem migrantischen Umfeld mit verschiedenen Kulturen aufwuchs, fing er schon früh an, sich mit seinen ostfriesischen Wurzeln auseinanderzusetzen und verbringt noch heute gerne Zeit in der Heimat seiner Vorfahren.

 

Wir sprechen darüber, dass es typisch ostfriesisch ist, dass Menschen einfach helfen, weil sie sehen, dass Hilfe benötigt wird, ohne viel darüber nachzudenken, und dass das grundsätzliche Gefühl von Nähe und Distanz in Ostfriesland ein anderes ist.

Obwohl die Ostfriesen als ethnische Minderheit gelten, haben sie seit vielen Jahrhunderten eine vielfältige Kultur hervorgebracht, und das macht Ostfriesland groß.

 

Die Menschen haben seit jeher dem Meer ihr Land abgerungen und Marcs Ausflugstipp ist das Moormuseum in Moordorf. Es erzählt die Geschichte der Moorbesiedlung und ist ein Museum der Armut. Für Marc das Verbindungsstück zum Thema Architektur und generatives Denken.

 

Da Marc akzentfrei ostfriesisches Platt spricht, konnten wir uns in unserer Muttersprache über Plattdeutsch austauschen (ab der 52. Minute in der Podcastfolge). Was ihn ärgert, ist die Darstellung der plattdeutschen Sprache als "niedlich" und "süß". Dadurch wird sie ihrer Bedeutung beraubt. Ein solches Schubladendenken ist für Muttersprachler:innen nicht nachvollziehbar, denn schwere Nachrichten treffen immer hart - egal, in welcher Sprache sie ausgedrückt werden. Dennoch sind wir uns darüber einig, dass die Sprache den typisch ostfriesischen einfühlsamen Umgang mit Nähe und Distanz widerspiegelt. Am lustigsten wird es übrigens an der Stelle, an der Marc anfängt, auf Platt zu singen und mir vorzuschlagen, dass wir doch mal gemeinsam einen Schlager ins Plattdeutsche übersetzen könnten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mal darauf einlassen werde...

 

Letztendlich teilen wir die Einstellung, dass es einerseits wichtig ist, Traditionen in gewissem Maße zu wahren, aber eben auch in einen neuen Kontext zu setzen und damit weiterzuentwickeln - auch für das eigene persönliche Wachsen.

 

Marcs Homepage

Marcs Wikipedia-Eintrag

Moormuseum in Moordorf